Insurrection Days 2012!

Wer wir sind und was wir wollen

Anhand der breit geführten Diskussion um die Insurrection Days innerhalb einer radikalen autonom/anarchistischen Szene konnten wir feststellen, dass es einiges an Missverständnisse und Klärungsbedarf zu geben scheint. Vor allem darum, was unsere Aufgabe als Vorbereitungskreis ist, sein könnte oder sollte, gab es doch einiges an Verwirrung. Ebenso um den Begriff des Insurrektionalismus und seine Umsetzbarkeit innerhalb des Konzepts der Insurrection Days 2012.

Zuerst vielleicht mal ein paar Worte zu uns als Vorbereitungskreis.

Viele wollen natürlich wissen wer sind die, wer steckt hinter den Inssurection Days?

…ätsch sagen wa nich!

Spaß bei Seite, wir sind ein loser Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen emanzipatorischen Zusammenhängen, die sich zusammengefunden haben um der Gesamtscheiße in dieser Gesellschaft etwas entgegenzusetzen. Unsere Interessen sind breit gefächert und jemensch hat andere Steckenpferde. Wir sind faule Socken und Sportler­_Innen, Schüler_Innen, Student_Innen, Lohnarbeiter_Innen und Hart4ler_Innen, Anitfaschist_Innen, Hedonist_Innen, Punx, Hausbesetzer_Innen, die nette WG von nebenan, manchmal sind wir unglaublich wütend, glücklich, traurig, motiviert….. und vor allem haben auch wir immer noch nicht die Lösung gefunden.

Auch wir können uns aus dem kapitalistischen Normengefüge nicht gänzlich ausgliedern.

Dabei ist es nicht unser Ziel, einen Aufstand vom Zaun zu brechen. Nicht weil wir dieses Unterfangen nicht für wünschenswert halten, sondern weil wir es für sehr schwierig halten einen Aufstand als Ziel zu definieren.

Der Begriff Inrurection Days ist vielmehr aus dem Grund gewählt worden, um eine breite Diskussion und Auseinandersetzung mit diesem Thema anzuregen, gerade in Hinblick auf die aktuellen Ereignisse wie beispielsweise in Griechenland oder England.

Aus diesem Grund halten wir es für angebracht noch einmal etwas genauer auf den Begriff „Aufstand“ einzugehen.

Für die Einen ist „der Aufstand“ das Erheben der Volksmassen gegen die Regierung und der Sturz dieser. Für andere beginnt ein Aufstand schon in der Auflehnung des_R Einzelnen gegen das bestehende Normengefüge und dem damit einhergehenden „Regelbruch“.

Wir wollen uns auch nicht anmaßen, den Begriff des Aufstands endgültig zu definieren, eher wollen wir erklären, was wir unter einer aufständischen Situation verstehen.

Für uns spielt es eine untergeordnete Rolle, wie Mensch das aufständische Verhalten definiert, viel wichtiger ist für uns das Bewusstsein des Ausbruchs aus der alltäglichen Normalität und das daraus resultierende Widerstandsbewusstsein des einzelnen Menschen. Wenn Mensch  zuvor noch nie schwarz gefahren ist oder  sich gegen Autoritäten zur Wehr gesetzt hat, ist dies für sie/ihn ein Moment, in dem er/sie mit der alltäglichen Norm gebrochen hat. Es geht auch um die eigene  Erfahrung die Mensch mit dem persönlichen Widerstand gegen Fremdbestimmung macht. Warum sich nicht das nehmen, was wir zum Leben brauchen? Warum nicht das angreifen, was uns daran hindert unser Leben selbst zu bestimmen? Warum nicht…

Dabei geht es nicht um einen Maßstab für Militanz. Durch die verschiedenen Aktionsformen, ob jemensch die Bullen angreift, Flyer verteilt, um auf soziale und/ökologische Missstände aufmerksam zu machen, ein Haus besetzt oder ein kostenlos Konzert veranstaltet, einen Bundesstaatsanwalt kidnapt oder das erste mal bei Aldi klauen geht, entstehen immer wieder aufständische Momente. Wichtiger ist für uns, dass all diese Menschen ihre Aktion als bewussten Widerstand (Bruch mit der kapitalistischen Alltäglichkeit / dem gesellschaftlichen Gefüge) wahrnehmen. Radikalität bedeutet für uns auch,  Missstände an den Wurzeln zu kritisieren und auf allen Ebenen zu bekämpfen. Für uns sind die Bäuer_Innen, im Wendland, die versuchen mit den Traktoren den Castor zu behindern genauso radikal, wie Antifaschist_Innen, die einen Naziaufmarsch verhindern oder die junge Kreuzbergerin, welche dem Bullen eine Parfümflasche auf den Kopf haut.

Dabei wäre es wünschenswert, wenn die Widerstandsformen nicht ausschließlich auf Quantität abzielen, sondern auch qualitativ nachhaltig sind. Dies liegt jedoch in der Verantwortung der einzelnen Personen und Gruppen, denn wir können und wollen niemensch etwas vorschreiben.

Natürlich lässt sich ein Aufstand nicht zahlenmäßig definieren, doch genau darin liegt auch die Stärke, denn aufgrund dieser zahlenmäßigen Unberechenbarkeit lässt sich ein Klima der Unsicherheit und Unberechenbarkeit herstellen, welches wiederum zu einem dauerhaften Anspannungszustand führen kann.

Oft kam die Frage auf, weshalb solche „Aktionstage“ überhaupt organisiert werden und was damit erreicht werden soll. Der Anlass für uns war die Tatsache, dass es immer wieder Leute die sich zusammenschließen, um gemeinsam auf Probleme aufmerksam zu machen und sich kollektiv zur Wehr zu setzten. Dabei weiß häufig die eine Gruppe nichts von der Anderen. Zudem kann Niemensch gegen alles allein kämpfen.

Die Insurrection Days können hier eine Basis für gemeinsames Handeln, aber auch für eine Vernetzung sein. Egal ob gegen Nazis, Mietspekulation im Kiez, gegen Arbeit(-slosigkeit), steigende Fahrpreise, gegen Hunger, Sexismus, kapitalistische Verwertungslogik etc., hier können alle Kämpfe gebündelt werden und Jede_r kann von der_m Anderen  lernen. Die Insurrection Days sind als temporäre Plattform gedacht, auf der alle progressiven Menschen und Gruppierungen an einem Strang ziehen können.

Ziel könnte es sein, dass der Obrigkeitsglaube in der Gesellschaft abnimmt und die Menschen ihr Handeln nicht mehr am gesetzlichen Rahmen orientieren. Die Formen des Widerstandes werden dabei sehr different sein und von keinem Menschen wird erwartet alles gut zu finden. Doch ist hier auch der Platz zu diskutieren.

Wir als Vorbereitungsgruppe werden zu den Insurection Days den organisatorischen Background stellen. Wir werden dafür sorgen, dass es Räumlichkeiten für Veranstaltungen gibt, ein paar Schlafplätze organisieren, uns darum kümmern, dass es eine Vokü Vepflegung gibt und wir stellen Infostrukturen. Im Vorfeld wird es von uns auch eine Vernetzung mit unterschiedlichen Gruppen geben, um ein möglichst breites Spektrum in die Insurrection Days mit einzubeziehen.

Wir, als Einzelpersonen,  werden, allein oder in unseren jeweiligen Bezugsgruppen, versuchen uns wie jede_r andere in das Konzept mit Aktionen und Informationen einzubringen.

Eure Aufgabe wird es sein, die Insurection Days mit Inhalten und Aktionen zu füllen. Ihr könnt Sachen vorbereiten oder euch spontan Leute zusammen suchen.  Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt ;-).

Dabei ist es uns wichtig Niemensch vorzuschreiben, welche Aktions- oder Widerstandsform zu wählen ist, bzw. diese zu bewerten, denn es gibt nicht die einzige Widerstandsform, welche zu jeden Menschen passt. Hierzu wird es einen Online- und Printtimetable geben, in dem wir gerne eure Aktionen und Workshops eintragen werden, sofern dies für die Öffentlichkeit bestimmt ist.

Häufig wurde auch die Frage gestellt, wie wir denn gedenken den Aufstand in einen bestimmten Zeitpunkt zu drängen.

Wir haben die Woche vor dem 1. Mai gewählt, um diesen wieder zu repolitisieren, quasi als „Auftakt“ wobei die Insurrection Days nicht darauf reduziert werden dürfen, vielmehr kann der     1. Mai sich in das Konzept der Insurrection Days eingebunden fühlen.

Der Zeitraum spielt jedoch genau genommen keine Rolle. Wie aus dem Aufruf zu entnehmen ist lautet der Terminzusatz „Immer/ Überall!“ und so ist das auch zu verstehen. Wer immer sich an den Insurection Days beteiligen möchte, kann Ort und Zeit frei wählen. Rein Organisatorisch ist es uns aber nicht möglich, unsere Struktur (lokaler Infopunkt, Räume, Vokü, etc.)immer und überall zur Verfügung zu stellen.

Fangt an!

Verbreitet  den Text, schreibt eigene Aufrufe, macht Infoveranstaltungen, bereitet Aktionen vor…

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